Eberhard und Regine Mitzlaff

Sie sitzen noch am Frühstückstisch in ihrem gemütlich eingerichteten Eß- und Wohnzimmer, als ich sie besuche. Seit 1986 wohnen sie in Nehren, er der früheren Schul- und Internatsleiter des heutigen Firstwaldgymnasiums. Eberhard ist auf der Insel Rügen geboren und Regine seine Frau in Karlsruhe. 
 
Wie seid Ihr zur Kirche gekommen, hattet Ihr ein christliches Elternhaus? 
Eberhard zieht die Stirne kraus und verneint meine Frage. Er wäre unchristlich aufgewachsen. Zwar getauft und konfirmiert worden, doch das Konfirmationsbekenntnis hätte er bewusst nicht mitgesprochen. 
Mit 17 Jahren kam er zur Marine und fuhr auf einem U-Boot durch die unendlichen Wasserwelten des Meeres. Wer U-Boot fährt, wäre Gott näher, meinten damals die Marinesoldaten. Man bekomme auf See ganz andere Dimensionen zu sehen und zu spüren als ein Landbewohner, aber wohl auch die Gefahr, auf Minen zu fahren oder beschossen zu werden. Mitzlaff musste nach dem Krieg noch ein Jahr lang Minen räumen. 
Das Studium von Deutsch, Latein, Geschichte und Sport brachte ihn in Verbindung zu dem Studentenpfarrer Heinz Zahrth und als Studentensprecher zum praktischen christlichen Leben.
Er gründete nach seiner Pensionierung neben der Aktion „Kein Giftmüll nach Nehren“, den „Freundeskreis Asyl“ und nahm auch gleich eine verzweifelte Familie aus dem Kosowo in sein Haus auf.
Zu seiner eigenen Freude kam durch ihn das Boulespiel nach Nehren. Jahrelang spielte er im Posaunenchor mit, auch dann noch draußen auf der Straße, in der kalten Advents- und Weihnachtszeit, wenn er besser im Warmen geblieben wäre. 
 
Regine Mitzlaff kommt aus einem badischen christlichen Elternhaus wo Disziplin herrschte und Gott als die erste Autorität geachtet wurde. Das hat sie schon als kleines Mädchen ganz bewusst ausgenutzt, wenn sie z. B., die von ihr verhassten Kerbelsuppe, essen sollte. Ihrem Vater tat sie kund, Gott hätte gesagt, sie bräuchte die Suppe nicht zu essen – und was Gott sagt, ist wichtiger als die Eltern. Als spätere Religionslehrerin, hatte sie auch bei schwierigen Schülern in den Hauswirtschaftsschulen mit Autorität und Disziplin keine Probleme. „Ich habe meinen Unterricht wie einen Mädchenkreis aufgezogen“, vermerkt sie bestimmt und mit einem Lächeln.
Fünf Kinder hat sie geboren. Sie und ihr Mann sind heute froh, dass zwei Töchter in der Nähe ihre Familie haben und sechs Enkel sie besuchen können. Viel weiter weg, nämlich in Portugal, leben ihre zwei Söhne und in den Pyrenäen liegt ihre dritte Tochter auf dem Friedhof. 
Regine Mitzlaff hat früher, Frau Schilling, bei den Bibelarbeiten im Frauenkreise aktiv unterstützt.
 
Welches Wort oder welcher Satz ist Euch in Eurem Leben wichtig geworden? 
Regine Mitzlaff: Das Wort „Bleiben“, wie es in Johannes 12 ausgedrückt ist: So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 
 
Eberhard Mitzlaff: Der Satz „Noch nicht alles ergriffen“. 
Phil. 3, 12: Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin. 
 
Was gefällt Euch an Nehren? 
Wir haben in Nehren Freunde gewonnen und zwei unserer früheren Schüler, nämlich Rose und Siegfried Fischer, wieder getroffen. Durch das Boulespiel sind wir in Kontakt mit ganz verschiedenen Menschen gekommen. 
 
Was wünscht Ihr Euch für die Gemeinde? 
Einmal im Monat einen Gottesdienst zwischen 17-18 Uhr und dass sich die älteren Frauen auch in die vorderen Kirchenbänke setzen. 
 
Möchten Ihr mehr Kontakte zu anderen Leuten haben? 
Wir sind trotz unseres Alters, Gott sei Dank noch in der Lage, selbst andere Leute zu besuchen. Wir fühlen uns nicht allein, weil wir eben noch recht beweglich sind. Zwar können wir nur noch selten zum Gottesdienst in die Kirche kommen, weil man auf den dortigen unbequemen Bänken seine ganzen Sünden abbüssen muss und es in der kalten Jahreszeit, manchmal wie Hechtsuppe zieht. Inzwischen schauen wir uns die guten und schönen Gottesdienste im Fernsehen an – auch die von der katholischen Kirche.
 
Wilhelm Link, im September 2008