Predigt über Epheser 4, 1-6

Fritz Steinhilber
Diakon,  steinis-rangendingen@dont-want-spam.t-online.de

Sonntag, 21. Sept.2008
 
Liebe Gemeinde!
Wer keinen Körper besitzt ist wirkungslos, leblos und auch lieblos. Darum muss sich alles Gute in einem Körper zeigen. Unser Schreiber des Epheserbriefes sagt uns deutlich wer der Körper von Jesus ist. Auf dieser Welt , vor unseren Augen niemand anderes als wir selber seine Gemeinde. Seine Leute sind sein Leib. So machen seine Leute ihn auf dieser Welt sichtbar und lebendig.
Leider ist diese Einsicht in der Kirchengeschichte viel zu wenig beachtet worden. Jesus wurde vielfach nur als eine gute Idee gesehen, als einen guten Gedanken den sich manche Menschen zu eigen machen. Nach dem Neuen Testament ist Jesus bei uns durch seine Nachfolger in den Gottesdiensten und Bibelstunden sprechend wirkend, und in vielerlei guten Taten handelnd wirkend und tröstend für die die Trost brauchen.
 
Jesus Leib sind also seine Leute. Viele sagen jetzt vielleicht gleich: „Armer Jesus, was musst du für eine Figur abgeben, wenn deine Leute dich verkörpern! Du musst ja zwangsläufig ausgelacht werden. . Sind sie nämlich du, vielfach ein fader, langweiliger  und uninteressanter Kerl. Früher als man in deinem Namen Leute umbrachte, da musst du ausgesehen wie ein böser Kaiser der mit seinen bösen Augen seine Untertanen anschaute ob sie ihm ja alle gehorchen. Heute bei uns bist du sicher anders. Vertreten durch deine Leute bist du weithin ein kümmerlicher Mensch geworden, gerade noch geduldet, weil man dich nicht ganz tot sagen will. Aber du bist sehr klein geschrieben in unserer Gesellschaft an den Rand gestellt von Spott und Mitleid umgeben. So etwas wie ein Gartenzwerg den man in eine Ecke den man in eine Ecke des Gartens verbannt.
 
Vielleicht finden sie das zu hart gesagt. Aber wie anders könnte man die Gestalt Jesu darstellen, wenn das seine Gemeinde ist. Nach dem Ende des ersten Weltkriegs, hat ein Bild eines Künstlers die Menschen arg erregt. Der Künstler hat Jesus mit einer Gasmaske gemalt. Gotteslästerung schreien viele. Der Künstler wurde aber falsch verstanden. Es war Trauer in dem Bild, Trauer über die Christen die sich mit dem ersten Weltkrieg ein grausames Abschlachten geleistet hatten und die deutschen Soldaten mit dem Satz „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss in die Schlachtfelder zogen. Gleichzeitig wollte der Künstler eine Warnung aussprechen, dass so etwas nie mehr passiert, damit der wahre Körper aufwacht und nicht mehr mitmacht. Doch wir wissen aus der Geschichte, dass es einen zweiten Weltkrieg gab der schrecklicher war als der Erste, und die Kirche hat bis auf wenige Ausnahmen wider mitgemacht und geschwiegen.
Weil wir zu diesem Körper Christi gehören gilt uns die Warnung heute und wir sind aufgerufen und gemahnt: Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Körper muss mit sich selbst einig sein. Das heißt zunächst ganz einfach: Vertragt euch untereinander! Vertragt euch wie die Glieder eines Körpers sich auch vertragen. Das heißt für uns auch, dass wir anderen nicht den Glauben absprechen, bloß weil sie anders denken und ihr Christsein anders leben. Aber auch dass, wir all denjenigen die all zu offen zur Schau tragen besser sein zu wollen, in die Schranken weisen. Wir sollten dies aber geschwisterlich tun ohne uns selbst erhöhen zu wollen.
 
Wir sind ja schließlich aufgerufen Fleißig zu halten die Einigkeit!  Denn wir sind alle berufen zu einer Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und ein Vater. Das meint auch: Trennt  euch nicht ab! Amputiert euch nicht selbst von diesem Leib! Es gibt nämlich keinen anderen Leib, kein anders Leben daneben. Es gibt eben keine Alternative eine zweite Möglichkeit. Das Glied ist entweder am Leib oder es vergeht, verwest und vermodert nach der Amputation.
 
Der Leib Jesu darf also nicht in Stücke zerlegt werden, wenn wir es ernst meinen. Dies ist auch ein Aufruf zur ökumenischen Zusammen-arbeit in der ganzen Welt und auch in unserer Gemeinde. Erkenne wir doch unsere Verantwortung für den Körper Christi! An uns allein liegt es , dass er da ist in dier Gemeinde in Nehren. An uns liegt es, dass der Körper Jesu vor den Augen der Welt präsent ist. Wir brauchen nicht den böse blickenden Jesus und auch nicht den Gartenzwerg. Wir brauchen ein neues Gemeindeverständnis. Die Kirche hat sicher im Laufe der Kirchengeschichte viele Fehler gemacht, vielleicht auch den Mund manchmal zu voll genommen was sie nicht alles leisten kann. Es ist aber niemand gedient wenn man deshalb die gemeinde verlässt und neue Wege sucht. Wir als Gemeinde, als Kirche sind Versager das ist unbestreitbar. Aber die Sache die wir als Versager zu vertreten haben bleibt trotzdem die wichtigste Sache für die Menschheit. Deshalb dürfen wir nicht verzagen, sondern ein neues Selbst-bewusstsein finden. Dazu gehört unbedingt, dass der Körper Jesu durch uns auch Wahrheit ausstrahlt. Viele Augen schauen uns an, böse Augen , spöttische Augen, aber auch enttäuschte Augen, sehnsüchtige und bittende Augen.. Deshalb ist es notwendig, dass wir als Gemeinde ein echter Jesus werden. Denn der echte Jesus lässt sich anfassen wie er sich damals von den Menschen anfassen ließ, als er in Palästina unter ihnen lebte. Es ist also nicht aufdringlich, wenn die Leute die nach uns greifen, sie haben das Recht dazu um Jesu Willen.
 
Von keinem von uns darf der Ausspruch gelten: Rufe nicht nachts um Hilfe, du könntest den Nachbarn wecken!
Wer in Not ist hat das Recht zu sagen: Du Jesusvertreter nimm ich ernst mit meinen Problemen und hilf mir.
 
Nun müssen wir aber noch ein Zweites beachten:
Wenn Jesus Christus als Gemeinde sichtbar wird in dieser Welt, so ist doch sicher, dass die Gemeinde nicht Christus ausmacht. Christus selbst ist nicht nur so groß als seine Gemeinde, er ist nicht nur so lebendig wie seine Gemeinde. Das Verhältnis von Christus und seiner Gemeinde kann man genauso wenig umdrehen wie ein Wasserfall. Immer stürzt die Flut von oben nach unten, nie von unten nach oben. Christus ist durch die Gemeinde in der Welt präsent, das ist wahr, aber er ist mehr als die Summe der Gemeindeglieder der Welt und erst Recht mehr als unsere Gemeindeglieder hier in Nehren. Christus gibt der Gemeinde nämlich die gaben die sie selber nicht machen können.
Er hat etliche zu Aposteln gesetzt, zu Propheten, zu Evangelisten, zu hirten und Lehrern. Da sind die Kräfte am Werk die von ihm kommen.
 
Keiner von uns ist deshalb wiederum ein Gartenzwerg. Jeder von uns ist in seiner Hand und bekommt Gaben zugewiesen. Jeder von uns ist beteiligt. Wir denken manchmal viel zu klein von uns. Gottes Plan sieht viel mehr mit uns vor als wir zu sein glauben, denn wenn wir einmal sterben gehen deshalb viele ungenützte Chancen mit uns ins Grab. „Es ist Schade um den Menschen“, war die Klage des Philosophen. Es soll aber nicht Schade um uns sein. Es soll Bewunderung um uns sein: Was hat dieser Mensch aus seinem Leben herausgeholt! Nicht weil wir es könnten, sondern weil Jesus es in unser Leben legte. Was keine Maschine, keine Technik, keine Wissenschaft, keine noch so gerechte soziale Struktur kann, soll und kann durch den Menschen geschehen. Menschen allein können einander in Wahrheit menschlich machen. Freie Menschen schaffen um sich freie Menschen. Fröhliche Menschen schaffen fröhliche Menschen. Glaubende Menschen führen den Menschen zum Glauben an den lebendigen Gott. Getröstete Menschen schaffen ringsum auch getröstete Gemüter. Alles liegt also am Menschen und seinen Gaben.
Alles liegt schließlich aber an dem Geber der den Mensachen erst zum Handeln bringt.
 
So muss sich die Gemeinde ständig neu ausrichten auf diesen Geber. Wenn sie so lebt , lebt sie nicht vergeblich und auch keines seiner Glieder gerade auch hier in Nehren nicht. Amen