Predigt über Johannes 3, 16

Reiner Dauner
Pastor,  reiner.dauner@dont-want-spam.gmx.de
Sonntag, 28. Dez. 2008
 
Liebe Gemeinde!
Als unser ältester Sohn Michael 4 Jahre alt war, sagte ich zu ihm am Heilig Abend: Nun wollen wir noch einige Weihnachtslieder singen, welches kennst du denn?
Seine Antwort: „Gott ist die Liebe“ – und sofort fing er an zu singen.
Vielleicht kennen wir dieses Lied und denken: Na ja, ein Weihnachtslied ist dies gerade nicht!
Und doch: Es gibt eigentlich kein Lied, das den Kern der Weihnachtsbotschaft kürzer und prägnanter zusammenfasst, als diese Aussage: Gott ist die Liebe – er liebt auch mich! so heißt es dann im Lied weiter.
Darum lasst uns heute Morgen nachdenken über die Bedeutung von Weihnachten, anhand des Bibelwortes aus Joh. 3,16:
 
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
 
Ehrenamtlich arbeite ich mit bei einem „Haus der Nachsorge“, in dem alkoholkranke und ehemals rauschgiftsüchtige Männer auf ein eigenständiges Leben – ohne Alkohol und ohne Rauschgift - vorbereitet werden, im Lebenszentrum Ebhausen.
Mit diesen Männer feiern wir jedes Jahr ein Weihnachtsfest – aber nicht alle kommen. Wenn man sie fragt, warum sie nicht kommen, dann hört man folgende Antworten: „Weihnachten ist für mich gestorben. – Der Heilige Abend ist der schlimmste Tag für mich im Jahr. - Weihnachten existiert für mich nicht. - An Weihnachten schließe ich mich ein. - An Weihnachten sehen Sie mich nicht“.
Ich habe mich gefragt: Warum reagieren diese Männer so? - Weil diese Menschen alle einmal Liebe erlebt haben in früheren Zeiten – sei es im Elternhaus – oder sie hatten selbst einmal eine Frau, eine Familie, aber jetzt wollen die Angehörigen nichts mehr mit ihnen zu tun haben! Sie müssen diese Liebe, die sie damals erlebt haben entbehren und werden doch an diese Zeiten erinnert!
Bei der Vorbereitung auf das diesjährige Weihnachtsfest mit den Männern habe ich einen gefragt, der in Schottland geboren ist, ob er uns etwas aus seiner Kindheit erzählen könnte über Weihnachten in Schottland – und er hat zugesagt. Dann berichtete er von seinem eindrücklichsten Weihnachtsabend als Kind: Er bekam von seinem Vater, der im Rollstuhl saß, einen Ball – sein größter Weihnachts-wunsch ging in Erfüllung. Den hat er voller Freude an sich gepresst – und dann sprang er auf den Schoß seines Vaters. Und nun sagte er rückblickend: „Nicht der Ball – sondern die Liebe meines Vaters ist mir als das Eindrücklichste in Erinnerung, denn er hat den teuren Leder-Ball gekauft, den er sich eigentlich nicht leisten konnte!
 
Ich erinnere mich an die Zeit, in der das Schlagwort gängig war: „All you need is love“ – alles, was du brauchst ist Liebe.
Pfarrer Wilhelm Busch erzählte einmal von einem Mann im Altersheim, um den sich seine Kinder kaum kümmerten und der deswegen verbittert wurde. Zu Weihnachen bekam er aber von seinen Kindern ein großes Paket mit vielen schönen und wertvollen Geschenken. Aber sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. Auf die Frage, warum er sich denn nicht freuen würde, bei diesen Geschenken, gab er die Antwort: „Es ist eben keine Liebe darin“!
 
Wissen Sie eigentlich, warum wir uns an Weihnachten beschenken? Es soll uns daran erinnern, dass Gott uns an Weihnachten beschenkt hat – nämlich mit seinem Sohn Jesus. Unvorstellbar – der allmächtige Gott lässt seinen Sohn als menschliches Baby auf die Welt kommen, es wird in Windeln gewickelt und kommt in einem Stall zur Welt!
 
Ich möchte die Ungeheuerlichkeit an einem Beispiel veranschaulichen:
Da ist in einer Anzeige in der Zeitung zu lesen:
„Biete Luxusvilla mit allem Komfort in schönster Lage und suche – im Tausch – eine Bretterbude in Israel, möglichst in Slumgegend“!
Wer dies liest, sagt sich: „Wenn`s kein Witz ist, ist es Wahnsinn. Der Mann, der diesen Wohnungstausch anbietet, tickt offenbar nicht ganz richtig. Das macht doch kein normaler Mensch freiwillig, aus seiner Traumvilla mit Swimmingpool und Schaukelstuhl auszuziehen, um in eine Bretterbude, ohne Wasser und Strom einzuziehen. Sowas gibt`s doch nicht!“
Doch – so etwas gibt es! Allerdings kann man das nicht in der Zeitung lesen – das gebe ich zu. Aber im Nachrichtenmagazin Gottes, in der Bibel, da kann man es nachlesen: In der Weihnachtsgeschichte, Lukasevangelium Kapitel 2! Und das war ein wirklicher Umzug: Gott ist umgezogen – aus dem Jenseits in das Diesseits. Aus dem Himmel auf die Erde. Aus dem Reichtum in die Armut. Und was war sein Motiv? Liebe. Liebe, zu dir und mir!
Gott wurde Mensch. Und das heißt weiter: Der Mensch Jesus war Gott! Wahrer Gott – und wahrer Mensch! Als Jesus später einmal seine Jünger fragte, für wen ihn denn die Leute halten würden, da kamen lauter falsche Antworten. Bis dann Petrus antwortete: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matth. 16,16), Das war die richtige, die einzig richtige Antwort.
Wenige Wochen, bevor Gott als Kind in Bethlehem zur Welt kam, hat er noch einmal klar definiert, warum diese Geburt stattfindet, warum es Weihnachten wird, was der Sinn der ganzen Aktion ist: In Matth. 1,21 heißt es: „Er, Jesus, wird sein Volk retten von ihren Sünden.“
Also: Weihnachten ist die Rettungsaktion Gottes – aus Liebe zu dir und mir!
Warum muß ich denn gerettet werden? Weil jeder Mensch, ohne Ausnahme vor Gott schuldig ist – durch unsere Gedanken, Worte und Taten – und das Leben Jesu uns sagen will: Gott nimmt die Sünde zwar ernst, aber er lässt die Stellvertretung Jesu für unsere Schuld gelten – darum ging er für uns ans Kreuz. Was brauche ich noch tun?
Der Liebe Gottes zu glauben – sie annehmen, dafür einfach zu danken!
Dieser Tage  erzählte mir ein junger Mann am Telefon: Auf gleicher Höhe, wo ich meine Wohnung habe – gegenüber wohnt eine junge, ledige Frau. Sie versucht auf die verschiedenste Weise mir ihre Liebe zu zeigen und mich für sie zu gewinnen – aber, ich kann und will ihre Liebe nicht erwidern! Alle ihre Bemühungen sind umsonst!
Dies ist die entscheidende Frage von Weihnachten  - an jeden von uns: Haben wir diese Liebe Gottes angenommen?
Haben wir Gott schon unser „Ja“-Wort gegeben? Wir kennen dies ja von einer Ehe-Schließung! Beide Partner müssen dieses „Ja“ zu ihrem Partner sagen! Wenn es nur einer sagt, ist dies nicht gültig!
So sagt Gott durch Jesus „ja“ zu dir – und zwar so, wie du bist! Dies hat Jesus in seinem ganzen Leben immer wieder den Menschen deutlich gezeigt. Z.B. bei einem Zachäus. Er war ein Ausbeuter, ein Blutsauger, er hat den Leuten zu viel Geld abgenommen als Zollbe-amter und viel in seine eigene Tasche gesteckt! Seine Mitmenschen wollten nichts mit ihm zu tun haben! Aber Jesus geht zu ihm, vergibt ihm seine Sünden und er kann ein neues Leben beginnen.
 
Oder der Petrus, er hat Jesus drei Mal verleugnet und  sich bei dessen Gefangennahme heimlich davon geschlichen. Als Jesus ihm nach seiner Auferstehung wieder begegnet ist, hat er Petrus 3 x gefragt, ob er ihn liebe – und daraufhin ihm vergeben, ja ihn als Mitarbeiter eingesetzt, mit den Worten: „weide meine Schafe“. Ja, selbst zu einem Terroristen, damals „Schächer“ genannt, an jenem Kreuz neben Jesus hängend, hat Jesus sein „ja“ gesagt: „heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“.
Da war ein Blick, ein Wort, eine Berührung, eine Geste, ein Befehl Jesu – sie alle wollten zum Ausdruck bringen: Ich liebe dich, ich vergebe dir deine Sünden, ich will dich hinfort führen und leiten in deinem Leben – du kannst dich auf mich verlassen!
Und sie alle spürten: Ich bin von Gott geliebt und angenommen. Und dies hat ihr Leben verändert – total! Und Jesus hat gesagt – und dies gilt auch uns heute „ich werde keinen hinausstoßen, der zu mir kommt!“
Was ist dann von uns aus zu tun? Ganz einfach: Was wir am Heiligen Abend auch getan haben, als wir die Weihnachtsgeschenke auspackten: Dem Geber gedankt! – so auch zu Jesus beten: „Danke, Jesus, für deine Liebe zu mir – ich nehme sie an! Vergib mir meine Schuld, so dass ich in diese innere Gemeinschaft und Verbindung mit dir, dem lebendigen Gott kommen kann!“ – Dann wird Freude sein im Himmel, denn die Engel werden sagen: Das Weihnachtsfest 2008 war nicht umsonst, denn wieder haben einige kapiert, warum Jesus auf die Welt gekommen ist, ja, sie haben seine Liebe angenommen! 
 
Was verändert sich dann im Leben dieser Menschen, wenn sie die Liebe Jesu annehmen?
Ich zitiere aus 1.Joh. 3,1: „Versucht es zu fassen: Wie groß ist die Liebe, die der Vater an uns gewandt hat, dass wir Menschen „Kinder Gottes“ heißen sollen – und wir sind es auch!“ (J.Zink)
Kind Gottes – der allmächtige Gott ist also dann unser himmlischer Vater, der Vater, von dem die neue Jahreslosung 2009 sagt: „“Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“(Lu. 18,27)
Nun können wir sprechen: „Yes, we can!“ – aber nicht nur wegen unserer eigenen Kraft, sondern weil Gottes Kraft durch unsere eigene Kraft hindurch wirken will. So wie der König David einmal sagte: „Mit meinem Gott kann ich über die Mauer springen!“
Nie mehr allein – nun begleitet Gott uns immer in unserem Leben, in guten und bösen Tagen! Jesus sagt: „Ich bin bei dir alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Ja, selbst dann verlässt uns Gott nicht.
Paulus hat dies im Epheser-Brief einmal so ausgedrückt: „In Jesus sind wir zu Erben eingesetzt worden.“ Damit wird ausgedrückt: Nach dem Tode erben wir das ewige Leben – wir dürfen ganz bei Gott sein – allezeit! Was für eine Aussage!
Dies klingt alles unglaublich!
Ich werde es nicht vergessen, als ich mit Jugendlichen unseres Jugendkreises an Weihnachten Bauarbeiter in ihren Baracken be-suchte. Sie kamen aus dem Ausland, waren Muslime – und hatten ihre Familien in ihren Ländern. Darum wollten wir ihnen eine Weihnachtsfreude bereiten mit kleinen Geschenken. Und sie freuten sich enorm über unseren Besuch. Einer hat seiner Freude Ausdruck gegeben, in dem er mir eine Art Parfüm auf meinen Kopf geleert hat – zum Entsetzen meiner Frau dann Zuhause. Aber als wir ihnen die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu erzählten mit der Aussage, dass Gott in Jesus Mensch wurde, da hat einer dieser Männer aufgelacht und sich auf den Schenkel geschlagen und gesagt: Das kann ja nicht sein, daß Gott Mensch wurde!
Ja – „vernünftig“ ist dies alles nicht. Denn an Weihnachten geht es um nichts anderes als um Liebe, also um etwas, was mit Vernunft weder etwas zu tun hat noch zu beschreiben oder zu fassen ist. Auf die Frage, warum Gott Mensch wurde und den ganzen Streß von der Geburt bis zum Tod auf sich genommen hat, gibt es nur eine Antwort: „Liebe“ – Liebe zu dir und mir.
Wir stehen ja immer noch an der Frage: Was verändert sich bei einem Menschen, wenn er die Liebe Jesu annimmt!
Eine wichtige Veränderung muss ich noch nennen:
Wer sich von Jesus geliebt weiß, kann auch seine Mitmenschen lieben! Denn auch sie sind von Jesus geliebt! Und so haben sich viele Christen vor Weihnachten z.B. Gedanken gemacht: Wie kann ich die empfangene Liebe weitergeben. Dabei kommt es nicht auf die Größe des Geschenks an, sondern, dass man spürt, dass dahinter Liebe steckt!
 
So las ich vor Weihnachten, dass Dr. Lammert, unser Bundestags-präsident, nun ein Buch geschrieben hat mit dem Titel: „Flagge zeigen“. Er ist überzeugter Christ und möchte die christlichen Werte leben! Da kam mir der Gedanke, dem mir bekannten Staatssekretär könnte ich dieses Büchlein zu Weihnachten schenken. Am letzten Samstag habe ich nachgeschaut, wo der Staatssekretär wohnt – und ihn dann aufgesucht. Seine Freude über meinen Besuch war so groß, dass er mich in sein Wohnzimmer gebeten hat und wir uns über 2 Stunden unterhalten haben. – Anschließend an diese Begegnung habe ich einen alleinstehenden Mann besucht und beschenkt, der von Harz 4 lebt und früher in unserem Männerwohnheim lebte. Auch er hat sich überschwänglich bedankt und gefreut über meinen Besuch.
Jeder Mensch – ein Gedanke Gottes! Und wer Gott bejaht, kann auch seinen Mitmenschen bejahen! Wo echte Liebe ist, da ist Freude.
 
Martin Luther hat in dem Lied: „Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist...“ in der letzten Strophe geschrieben:
Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit“.
Amen