Kathrin Eisleb-Rapp

K. Eisleb-Rapp bei einem Geburtstagsbesuch in Thanheim

Naihra ischt halt Naihra!

 

Obwohl ich schon 14 Jahre nicht mehr Bürger der Gemeinde Nehren bin, ist der aller liebste Ort über dem Steinlachtal mit seinem Fachwerkkirchturm, meine Heimat geblieben: Und der heißt: Nehren, oder wie wir Alteingesessenen sagen „Naihra“.

Als ich noch in der Mühle an der Steinlach wohnte, 399  Meter über dem Meeresspiegel, musste ich zu den Nehrenern hinaufschauen: Heute, in Bisingen-Thanheim, schaue ich von 630 Höhenmeter liebkosend auf den Ort hinunter, der von hier aus nur durch den Hohenzollern getrennt ist. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, ich lebe ja jetzt auf preußischen Territorium!

 

Wenn man Anschluss in einer neuen Umgebung finden will, geht man am besten in einen Verein oder man  engagiert sich in der Kirchengemeinde. Letzteres habe ich hier getan. Ich bin eine von fünf Frauen, die allen über Siebzigjährigen im Auftrag unserer Evangelischen Kirchengemeinde einen schriftlichen oder persönlichen Geburtstagsgruß überbringt. Dieser Dienst macht Freude, ich lerne dabei viele ältere Mitbürger in verschiedensten Lebenssituationen kennen. Dabei kann ich auch mal, wenn „Not am Manne ist“ ratend oder helfend zur Seite stehen.

Aber immer wieder zieht es mich ins  Nehrener Kirchle zu einer Predigt von Pfarrer Fischer. Beim letzten Besuch habe ich jedoch leider betrübt festgestellt: „Die alten Straßen noch, die alten Häuser noch, die alten Leute aber sind nicht mehr ....“. Es sind mir aber viele fremde Gesichter aufgefallen, wohl Neubürger, die den Weg in die Kirchengemeinde gefunden haben. Und das erfreute mich.

 

Den Kontakt zu meinen Nehrenern habe ich dennoch nicht verloren. Es wird mir ganz heimelig zumute, wenn ich die Stiege zu Frida M.’s Wohnung in der Hauchlinger Strasse hinauf steige, oder einen Schwatz bei Gertrud und Karl H. in der Auchtertstraße mache, wobei Karl H. auch schon mal letzte Rettung ist, wenn  mir mein Computer Schwierigkeiten macht.

 

Natürlich fühle ich mich hier, trotz wohl umsorgter Nachbarschaft, manchmal ein wenig einsam und fremd. Dann erinnere ich mich an meinen Denkspruch, den mir einst, Pfarrer Steinestel, l946 auf meinen Lebensweg mitgegeben hat: „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“.

Kathrin Eisleb-Rapp

Neujahr 2009

(Anm. der Redaktion: Frau K. Eisleb-Rapp war auch lange Zeit Mitglied des Kirchengemeinderats in Nehren)