Weihnachtsfeiertag 2020

Gottesdienst zum Christfest I, am 25.12.2020 in der Veitskirche Nehren            

Liebe Gemeinde!
Welche Nachricht möchten sie zuerst hören, die gute oder die schlechte? So wurden sie bestimmt schon mal gefragt und dahinter stand ein ganz bestimmtes Ansinnen des Fragenden. Sie wurden sozusagen eingestimmt, es wurde vorbereitet nicht zu viel zu erwarten, denn ein weniger guter Anteil ist auch dabei.
Hat eine Nachricht eigentlich immer eine gute und eine schlechte Seite?
Der vorgeschlagene Bibeltext für heute übermittelt eine gute Nachricht, Evangelium in mehrfacher Hinsicht und auf mehrfache Weise:
Evangelium für schwierige Zeiten
Evangelium für eine kaputte Welt
Evangelium für Leute von heute

Predigttext Jes 52,7-10: (Luther 2017)
7. Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!
8. Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.
9. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
10. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Fragt man zunächst kurz nach dem historischen Bezug dieser Worte des Propheten Jesaja, dann kommt das Ende des babylonischen Exils in den Blick. Gott hatte sein abtrünniges Volk unter die Mächte der Welt zerstreut und „umsonst“ verkauft (V 3).
Nun aber endete diese Zeit. Gott macht sich auf, dieses Volk aus seinem eigenen freien Willen und „ohne Lösegeld“ aus der Gefangenschaft nach Hause zu führen (V 3b, 4). Es geht also sowohl um die Befreiung aus Not und Bedrängnis, als auch um die Versöhnung mit Gott.

1. Die gute Nachricht für schwierige Zeiten:

Ein Bote ist unterwegs. Ohne Umweg läuft er über die Berge. Er hat es eilig, denn er will nach Jerusalem. Nur ein armseliger Rest von Menschen lebt noch in der zerstörten Stadt. Die meisten der ehemaligen Bewohner wurden verschleppt. Seitdem vegetieren sie unter schwierigen Verhältnissen in Feindesland dahin. Das Schlimmste dabei ist: Sie fühlen sich von Gott verlassen, die im Exil und auch die zuhause im zerstörten Jerusalem. Und täglich plagt sie das Gewissen: Wir haben Gott nicht gewollt, und jetzt haben wir ihn auch nicht. Verloren, Vergessen kommen sie sich vor.
Aber Gott vergisst seine Leute nicht! Trotz allem! Er setzt Könige ab, und er setzt Könige ein. Im fernen Babel kommt einer an die Macht, der die gefangenen Israeliten freigibt, einfach so, weil sich Gott kümmert. Für eben diese gute Nachricht ist dieser Bote unterwegs.
Und irgendwie wird er erwartet.  Die Wächter dort bewachen eigentlich nur ein paar Ruinen, nicht wirklich prickelnd. Aber plötzlich zeigt einer in die Ferne. Alle legen die Hände über die Augen und dann ans Ohr. Ohne Zweifel: Da kommt einer. Und wie er kommt; an seinem Gang, an seinen Füßen ist schon zusehen, er bringt gute Nachrichten Und man hört ihn immer wieder rufen: »Jerusalem, dein Gott ist König!« »Ist das wahr?!« »Ja, es ist wahr: Die Wachleute hält nichts mehr auf den Mauerresten. Diese Botschaft muss unter die Leute. Jeder, der irgendwo zwischen den Trümmern haust, ohne Hoffnung, ohne Zukunft, soll es hören: Gott hat sein Volk getröstet. Gott selbst kommt zu uns! Mit diesen Worten bricht eine andere, eine ersehnte, Zeit an.
Gute Nachrichten also, für schwierige Zeiten!

2.  Gute Nachricht für eine kaputte Welt. Jahrhunderte später schickt Gott wieder Boten aus. Dieses Mal aber nicht auf ein Trümmerfeld, sondern auf ein Hirtenfeld. Die Männer, die dort bei Nacht auf die Schafe aufpassen mussten, galten als armseliger Rest der Nation. Niemand hielt viel von ihnen. Aber ihnen galt die Botschaft zuerst: Fürchtet euch nicht! (Fear not) Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt: Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. (Lk 2)
Und dann hielt sie nichts mehr auf ihrem Feld. Sie konnten nur noch kommen, sehen, erleben, und weitersagen! Auch sie waren also unterwegs, leichtfüßig nahmen sie den Boden unter die Füße; denn sie hatten jetzt ein Ziel.
Alle, die zwischen irgendwelchen Trümmern hausen, sollen es wissen: Jesus, der Christus, ist da!
Und wie ER jetzt so kommt: Klein gemacht hat er sich, dieser Gott. Einfach und klein geworden ist sie, die Krippe, klein aber sichtbar, lebendig, hell, in dieser Welt fest verankert, Heimat bietend.
Da hat sich also mit dem Stern der über der Krippe steht eine Herberge Gottes gezeigt die so niemand erwartet hat. Noch ist den Hirten unklar, was dies letztlich für sie bedeutet; Heimat wird ihnen, den Schafhirten, damit angeboten, von dem der der große Hirte ist. Den das ist der ursprüngliche Sinn und die Bedeutung des Königs, den Jesaja ausruft: ein König ist der wohltuende und fürsorglich Hirte für die ihm anvertrauten Menschen.

Und damit wird eben all denen der Platz streitig gemacht die ebenso König sein wollen, es aber nicht sind.
Der Platz des königlichen Hirten ist besetzt. Die anderen Herrscher spielen nur die zweite / dritte Geige. Das heißt nicht die kleinen und großen Despoten der Welt haben das letzte Wort. Nicht die selbstverliebten Großsprecher, die sich selbst in Szene setzen und gut inszeniert bejubeln lassen, und sich dabei großartig finden, nicht sie sind im Letzten die Herren der Welt.
Nein, das schutzlose Kind, das in dieser einfachen und klein gewordenen Krippe liegt, ist als guter Hirte, nun in dieser Welt, verankert.

Das ist nun eine wirklich gute Nachricht für eine kaputte Welt

3.  Gute Nachricht für Leute von heute.

Aber, lang, lange ist das her, wir sind doch heute im Jahr 2020 angekommen. Was gilt jetzt davon noch? Oder anders gefragt: Was hat sich denn in der Welt seither geändert? Haben wir nicht in unserer Zeit ebenso riesige Trümmerfelder?  Weltweit gab es allein im letzten Jahr (2019) 23 kriegerische Auseinandersetzungen! Ist nicht eigentlich alles beim Alten geblieben? Eine Stadt des Friedens sollten wir sein, wie Jerusalem.
Und da sind noch andere Trümmer. Spricht nicht manche Scherbe in unserem Leben ihre eigene Sprache? Immer wieder holt uns die Vergangenheit ein, oder die Gegenwart treibt uns. Wir erkennen Versäumnisse. Wir wurden verletzt und wir haben verletzt. Beziehungen sind kaputt gegangen durch eigene oder andere Schuld. Überall Trümmer, an der ein und anderen Stelle auch die Folgen durch Abstand und Distanz, ohne das es aus gesundheitlichen Gründen notwendig wäre.
Trümmer zwischen Menschen und Trümmer zwischen Menschen und Gott. Trümmer, die quälen und lähmen.

Liebe Gemeinde!
Gott hat uns nicht vergessen. Trotz allen Trümmern! Auch für uns gilt seine Botschaft: Christ, der Retter ist da! Für die ganze Welt ist er da, und damit eben auch für jeden ganz persönlich, für Sie, für mich! Jesus ist heruntergekommen aus seiner herrlichen Welt in manchen Scherbenhaufen bei uns.
Es gilt immer noch - und an diesem Festtag wird es doch überdeutlich- : Gottes Sehnsucht ist der Mensch, so sagte es ein alter Kirchenvater. Und ich ergänze: Gottes Sehnsucht ist das Menschliche in dieser Zeit.
Denn eines ist doch über dieser Krippe deutlich und sichtbar geworden: Mit diesem Kind ist der Abstand zwischen Gott und uns kleiner geworden, Ja noch viel mehr, das distanzlose Wagnis unseres Herrn wird menschlich, wird sichtbar und wird lebendig.
Der Stern über der Krippe zeigt es an und mit dem Stern und dem Kind wird es hell und licht in dieser Welt und in uns Menschen. Und dieses Licht will in unserer Zeit zum Leuchten gebracht werden; Gottes Licht möchte erstrahlen in dieser, für viele als düster empfundenden Pandemie-Zeit. Eine Zeit die uns so grass unsere Verletzlichkeit aufzeigt.

Wie ist das, wie ist aber sowas möglich?
Gottes Licht möchte erstrahlen
Schauen wir hierzu nochmals auf die Boten und die Hirten. Sie machten sich vertrauensvoll und leichtfüßig auf ihren Weg, durch Trümmer oder der vom Stern erleuchteten Nacht hindurch. Sie wurden von dieser guten Botschaft getragen, und dann kann vieles gelingen.
Zwei Beispiele hierzu:
- Nicht mein Reden vom Frieden schafft Frieden. Sondern wenn Gott mir durch seine Kraft gewiss macht, dass eben auch der Andere von ihm geliebt wird, wird Friede möglich, gehen verkorkste Beziehungen einen neuen Weg.
oder
- Nicht durch Sprachlosigkeit, sondern durch mein Reden über meinen Glauben, in all seinen Facetten. Fragen und Zweifel die da zu Wort kommen, ebenso das Reden über mein Vertrauen und meine Hoffnung. Reden, das andere (die Nachbarn, Kollegin, den Freund) ermutigt.

Vom leichtfüßigen Boten des Jesajatextes, über das Hirtenfeld und dem Stall bis in heute, sind wir heute am Christfest „gegangen“.
Was ist das doch für eine schöne, was für eine spannende Aufgabe in die wir da mit Weihnachten hinein geraten sind. Sie und ich. Wir, die wir als Christen unterwegs sind.
Was für ein Geschenk das da begonnen wurde, mit dieser kleinen Krippe.

Das Geschenk unterwegs zu sein, hin zu einem großen Gott!
Lassen Sie uns in diesem Sinn das Christfest 2020 feiern.
Amen

Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

Warten auf Neues - der neue Bund

Predigttext ist Jeremia 31, 31-34.
Hier ist der Text  zum Lesen ...


Die Aufnahme
des ganzen Gottesdienstes
finden Sie hier unten in drei Teilen ...

Teil I: Glockengeläut, Psalmgebet, Orgelmusik

Teil II: Predigt über Jeremia 31, 31-34

Teil III: Lied, Fürbitte, Vaterunser, Segen, Orgelmusik

Willkommen zum 4. außergewöhnlichen Internet-Gottesdienst

Unsere Veitskirche im Frühling

Zum Palmsonntag 2020 mit Prädikant Joachim Rodemann

Wie bei den vorigen Internet-Gottesdiensten, können Sie hier die einzelnen Teile anklicken, anhören und mitsingen!

1. Glockengeläut...

2. Begrüßung, Psalm , Gebet...

3. Lied EG 91, 1-5 „Herr, stärke mich...“

4. Schriftlesung...

5. Predigt (Mark. 14, 3-9)...

6. Fürbitte, Vater Unser, Segen...

7. EG 93, 1-3 „Nun gehören unsre Herzen...“

8. Nachspiel (Leon Boelmann Offertoire)...

Wenn Sie die Predigt nachlesen möchten, so klicken Sie hier...

Die folgenden Bilder lassen sich mit einem Klick drauf, vergrößern!