Meditation zu Psalm 25,15 „Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“

MEINE AUGEN

sind noch groß vor Schreck – wie konnte sich unsere Welt so schnell verändern?
starren auf den Bildschirm, morgensmittagsabends – wie viele werden schwer erkranken?
sehen in die Zukunft voll Sorge – wer hilft uns?
schauen auf meine Liebsten – wann sehe ich sie wieder?
haben schon lang kein Gesicht mehr gesehen – wer sieht mich?

SEHEN

und handeln, das bin ich gewohnt – doch jetzt bin ich hilflos
und planen will ich, aber ich blicke nicht über den Tag hinaus
will ich heute und meine Augen nicht verschließen
und verstehen möchte ich dich, Herr
und begreifen will ich: Was willst du, dass ich tue?

STETS

hab ich vertraut
hab ich gehofft
hab ich doch auch gebeten: Ich glaube, hilf meinem Unglauben

AUF DEN HERRN

verwiesen ist mein sterblicher Leib, mein zerknirschter Geist
werfe ich mich heute mit Leib und Seele
warte ich mit Sehnsucht
lade ich unsere Ängste und Sorgen, die Not der Kranken, die Erschöpfung der Pflegenden
hin lebe ich, berge mich in ihm

AUF DEN HERRN SEHEN STETS MEINE AUGEN

Pfarrerin Stefanie Heimann, Theologische Assistentin des Landesbischofs

Gebet

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht. In diesen Tagen.

Wo alles so anders ist. So durcheinander. Wo die Sonne lacht und wir die Freude vergessen. Wo die Natur neues Leben hervorbringt und wir in Ängsten sind. Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

 

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Alten in den Pflegeheimen, die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst. Und den Kranken, die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind. Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen und die Einsamkeit fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

 

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren. Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist. Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen. Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

 

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind. In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo. In den griechisch-türkischen Grenzgebieten. Und lass dir erzählen von den vielen Menschen, dort und hier, die helfen und nicht müde werden. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

 

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus. Der uns umhüllt. Und Segen dazu. Der uns immun machtgegen die Panik. Sage zu unserem ängstlichen Herzen: „Beruhige dich. “Sprich zu unserer verzagten Seele: „Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir. “Und noch dazu und allem zum Trotz: Gib uns die Freude wieder. An der Sonne. An der aufbrechenden Natur. An den Menschen, die wir lieben. An dir, du Gott des Lebens. Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.