Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst

Meditation - Bezug: Psalm 34,8 „Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“

 

Der Engel Gottes lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Engel. Sie lagern um uns herum. Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme –je nach dem.

Sie schützen nicht vor dem Virus. Aber vor der Angst. Das können sie: Uns die Angst nehmen. Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt.

Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit. Aber sie können die verängstigte Seele wiegen. In ihren Armen oder Flügeln –je nach dem. Im Moment reicht ein Engel nicht. Da brauchen wir schon ein paar mehr. Die Fülle der himmlischen Heerscharen, wie damals –als Jesus geboren wurde –da waren sie alle da. Die Engel. Und sie haben gesagt: Fürchtet euch nicht. Denn sie fürchteten sich –also die Hirten. Und wir fürchten uns auch. Vor dem, was plötzlich kommen könnte. Oder was schon da ist. Wir fürchten uns vor der Ungewissheit und vor dem, was uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht. Damals haben die Engel eine große Freude verkündet, die allem Volk widerfahren soll. Nämlich, dass der Heiland geboren sei. Das klingt wie von einem anderen Stern. „Große Freude.“ Aber wieso sollte das nicht auch heute gelten? Ist Gott etwa nicht da, nur weil das Virus da ist? Fürchtet euch nicht.

Das will ich auch jetzt hören. Daran halte ich mich fest. Mitten in der Angst –Freude. Mitten in der Angst –ein Lächeln. Mitten in der Angst –helfende Menschen. Mitten in der Angst –Solidarität unter uns. Das gibt es ja alles. Trotz Corona. Mancherorts auch gerade wegen Corona. Mitten in der Angst, mitten in der Sorge –die Engel. Sie schützen nicht vor dem Virus –so ist das halt. Aber es sind die himmlischen Wesen, die uns Bodenhaftung geben können. Ich will meine Augen öffnen und die Engel sehen. Oder hören. Oder spüren. In mir, hinter mir, neben mir. Auch in den Menschen, denen ich begegne. Jetzt halt etwas mehr auf Abstand oder per Telefon. So geht es auch. Gottes Engel lagern sich um uns her und helfen uns heraus. Das glaube ich gewiss.

Gebet

 

Jetzt, mein Gott, täten Engel gut. An unserer Seite und um uns herum. Denn wir brauchen Mut. Und Phantasie. Und Zuversicht.

Darum: Sende deine Engel. Zu den Kranken vor allem.

Und zu den Besorgten.

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden: Ärztinnen und Pfleger, Rettungskräfte und Arzthelferinnen, alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen in Gesundheitsämtern und Einrichtungen, in Politik und Wirtschaft.

Und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen.

Sende deine Engel auch zu denen, an die kaum jemand denkt –jetzt in der Zeit der Epidemie: Die Menschen auf der Straße, die Armen, die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut. Du hast sie schon geschickt.

Sie sind ja da, um uns herum. Hilf uns zu sehen, was trägt. Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet, mit dir, mein Gott. Denn das ist’s, was hilft und tröstet. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst